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Project Architecture Company

HAUS+

Status: komplette Planung (LP1-8), Fertigstellung 2009
Ort: Hameln, Deutschland
Grösse: 124m² / 234m²
Wohnfläche vorher / nachher
Programm: Einfamilienhaus An- und Umbau
Preise: Archdaily Building of the Year Award 2009, engere Wahl

Das Grundstück befindet sich in einem dicht bebauten Wohngebiet aus den 1950er Jahren mit typisch deutschen Siedlungshäusern.
Die Lage nahe am Stadtzentrum, sowie ein dicht bewachsener Garten mit einer wunderschönen alten Birke waren jedoch unschlagbare Qualitäten gegenüber der Alternative Neubaugebiet.
Am Anfang stand ein Wunschzettel der Bauherren. Für ihn musste das neue Haus modern sein. Es sollte großzügige Öffnungen und Aussenbereiche haben, die das Innere mit dem Garten verbinden. Sie erhoffte sich Behaglichkeit und erträumte sich ihr neues Haus vor allem als Innenraum, als Schutz vor der Außenwelt. Ihr Traumhaus sollte eine normale und schlichte Form haben, die auf den ersten Blick Häuslichkeit ausstrahlt.
Wir entschlossen uns, das alte bestehende Haus nicht abzureißen, sondern es grundlegend zu renovieren und mit einem innovativen kontrastbildenden Anbau zu erweitern.

Der 110m² Anbau ist als einfaches Volumen konzipiert, das sich in einem Winkel um das alte Haus legt und so einen Innenhof formt, der sich großzügig als überdachter Freisitz zum Garten und zur Sonne hin öffnet. Die Ausrichtung des Anbaus unterteilt den großen Garten in spannungsvolle Bereiche. Fließende Übergänge von innen nach außen und überraschende Blickbeziehungen lassen das Haus offen und interessant, jedoch nicht transparent erscheinen. Das alte Siedlungshaus ist kaum wiederzuerkennen und doch bleibt es integrativer Bestandteil der umgebenden Bebauung.
Reduziert auf sein einfaches Volumen erstrahlt es nun in klarem Weiß und hebt sich wohltuend ab, um neben dem modernen Anbau bestehen zu können. Haus+ vermittelt ohne Vorurteil zwischen den gegensätzlichen achitektonischen Ansprüchen der Bauherren, formt einen interessanten Kontrast zwischen alt und neu, ist unangepasst und doch vertraut.



Der Altbau mit einer Wohnfläche von 75m² im Erdgeschoss wurde komplett entkernt, um grosszügigere, klare Raumproportionen zu schaffen. Über dem Essbereich ersteckt sich nach dem Umbau nun ein großzügiger Luftraum, der das Sonnenlicht über zwei Dachflächenfenster einfängt. Auf Kosten eines der Zimmer im Obergeschoss wurde ein komplettes Deckenfeld entfernt.

Im Wohnzimmer bietet ein langes Schrankelement entlang der gesamten Aussenwand Stauraum; nur eine mit Linoleum ausgekleidete Nische im Schrank dient als Sitzfenster. Auf der gegenüberliegenden Seite verbindet eine große Schiebetür das Wohnzimmer mit dem Innenhof.



Im spannungsvollen Kontrast zur weißen Schlichtheit des Altbaus steht die auffällige Kupferbekleidung des Anbaus. Horizontalpaneele in verschiedenen Breiten umschliessen den Anbau mit seinem weissgeputzten Innenhof wie eine schützende Spule. Das Kupfer leuchtet in warmen Farben, die sich fortwährend mit der Witterung und den Jahren verändern.
Ohne den ursprünglichen Dachüberstand, kommt die klare Form des Siedlungshauses voll zur Geltung. Den Dachabschluss bildet ein scharf gekantetes Kupferband, das bündig mit den weiss verputzten Außenwänden endet. Unterstützt wird diese Klarheit durch bündig in die Fassade gesetzte Fenster mit schlanken schwarzen Rahmen.
Zur Strasse hin fasst eine niedrige Mauer aus Sichtbeton zusammen mit einer rückversetzten Natursteinmauer das Grundstück ein und lässt Alt und Neu als eine Einheit erscheinen.

Der Innenhof ist der grösste “Raum” des ganzen Hauses. Lichteinfall und Orientierung zur Sonne wurden im Vorfeld sorgfältig untersucht, so dass seine endgültige räumliche Konfiguration zu jeder Tageszeit direkte Sonneneinstrahlung sowie auch schattenspendende Bereiche bietet. Ein Teil der Terrasse ist überdacht. Zwei grosse Öffnungen rahmen den Ausblick in den Garten, während eine Sichtbetonwand Schutz vor zuviel Transparenz bietet.

 

Der Altbau befand sich im Originalzustand von 1957, weshalb wir uns für eine umfassende Renovierung der Aussenhülle entschieden, um das Gebäude energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Die Außenwände wurden mit einem WDV-System aus Mineralfaserplatten versehen und neue Holz-Aluminium Fenster eingesetzt. Den Dachstuhl konnten wir erhalten, jedoch wurden die Dachsparren aufgedoppelt, um extra viel Platz für eine neue Wärmedämmschicht zu bekommen. Die alte Schleppgaube wurde durch eine neue Kastengaube mit Kupfer-Stehfalz-Deckung ersetzt. Der Anbau erhielt hochwärmedämmende Aluminumfenster, sowie eine hinterlüftete Fassade mit 14cm Mineralwolldämmung.
Darüberhinaus ist der Anbau mit einer extensiven Dachbegrünung versehen; das Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und wieder-verwendet. Energetisch liegt Haus+ nun mit einem Primärenergiebedarf von 70 kWh/m²a weit unter der Norm. Das gesamte Haus ist mit Fussbodenheizung ausgestattet, die Heizenergie kommt von einer Erdwärmepumpe.

Bauphase 03/ 2008 - 04/ 2009.